Heute nicht Iran

Heute nicht Iran

 

In den letzten Wochen las ich von Brigitte Hamann „ Winifred Wagner- das Bayreuth Adolf Hitlers“. Als ich es im Sommer geschenkt bekam dacht ich: Na so ein Wagnerianer bin ich nun auch wieder nicht, dass ich 780 Seiten, eng beschrieben, zu diesem Thema lesen muss. Am 4. Oktober starb Brigitte Hamann. Erst die Nachrufe im Rundfunk ließen mich aufhorchen und das Buch in die Hand nehmen. Und – es ist großartig, spannend wie ein Krimi. Man muss nicht Wagnerianer  sein, um es zu lesen. Winifred Williams, ein englisches Waisenkind, hat in Berlin einen Onkel, Karl Klindworth durch den kommt sie nach Deutschland und wird  mit Siegfried Wagner, dem Sohn Richard Wagners,  bekannt gemacht.

Im September 1915 heiratet die 18 jährige Winifred den 46 jährigen Siegfried Wagner. Brigitte Hamann versteht es hervorragend darzustellen, wie nun die großen politischen Veränderungen in Deutschland und Europa mit der Familiengeschichte verzahnt sind.  Nach dem ersten Weltkrieg  gab es mit dem austeigenden  Jungpolitiker  Adolf Hitler zahlreiche Verbindungen. Sie zeigt auf hervorragende Weise, wie sich gebildete Menschen von den Ideen Hitlers begeistern ließen. Wie alles, was normalerweise erschrecken und aufhorchen lassen müsste, verharmlost wurde. An Hand dieser Darstellungen von Frau Hamann lernt man auch ähnliche Entwicklungen in der Gegenwart verstehen! Die aufziehenden Schatten wurden verniedlicht und der Hass auf die Juden verharmlost. Dieses Buch sei jedem politisch und zeitgeschichtlich  Interessiertem ans Herz gelegt.  Man kann nur hoffen, dass in den nächsten zehn Jahren sich nicht die Geschichte ab 1923 wiederholt.

Zitat: „Für seine allzu milde Behandlung durch die Republik hatte der frühzeitig Entlassene (A.Hitler) nichts als Verachtung übrig, so Winifred: Hitler hat ja immer den weichen Demokratien vorgeworfen, dass sie so lasch mit den Feinden umgehen. Er hat ja gehöhnt über die Methoden der Strafverfolgung der Demokratie.“ Seite 133.

Und noch etwas ist anders als in Deutschland – Der Straßenverkehr

Auf den Straßen von Teheran

Straßenverkehr Auf den Straßen von Teheran

 

Wagen sie sich im dichten Straßenverkehr zur Hauptberufszeit über eine sechsspurige Straße, auf welcher der Verkehr richtig gut rollt, kein Stau ist? Wer dies tut, spielt mit seinem Leben oder wird doch zumindest von den Autofahrern unwirsch bis unflätig angesprochen oder beschimpft.  Anders im Iran: kein Hupen, keine blöde Bemerkung. Man geht langsam aber ohne Halt los. Und dann, oh Wunder, erst fährt ein Auto langsamer hinter einem lang, dann hat man die zweite Spur passiert, aber es ist  immer noch nichts Schlimmes passiert. Und so geht man bis man die andere Straßenseite erreicht hat.  Ohne nur ein böses Wort gehört zu haben oder eine entsprechende Handbewegung gezeigt zu bekommen!  Für mich ist dies ein Zeichen von Kultur und sozialer Kompetenz.  Wenn ich dies schreibe, erinnere ich mich, ähnliches schon einmal vor 30 Jahren in Tiblissi ( Georgien)  erlebt zu haben. Und auch damals war ich so beeindruckt. Damals sah ich einen alten Mann mit Stock Schritt für Schritt eine ebenso sehr stark befahrene Straße überqueren. Und auch diesem wurden keine bösen Worte nachgerufen und es wurde auch nicht gehupt.

Reiseeindrücke aus dem Iran

In der nächsten Zeit schreibe ich einige Eindrücke von einer Reise in den Iran, die ich Anfang November unternahm.

Das erste, was täglich auffiel, waren die freundlichen, offenen Menschen. Sie blicken einem freundlich und interessiert an. Oft wurden wir angesprochen. Die Menschen fragen, wo wir her kommen und heißen einem im Iran oder in der jeweiligen Stadt willkommen. „Schön, dass Du hier bist.“ „ Danke für Deinen Besuch.“ „ Danke, dass Du dich für uns interessierst.“ Ich nehme mir vor, es diesen Menschen gleich zu tun und in Leipzig oder Halle Menschen, denen ich ansehe, dass es Touristen sind, anzusprechen. Freuen wir uns auch so über Touristen und Menschen aus anderen Ländern, sprechen sie an, wenn sie mit dem Stadtplan dastehen und nicht recht wissen, an welcher Straßenecke sie sich befinden? „ Can I help you?“

Vor dem Nationalmuseum

Vor dem Nationalmuseum

Wiederholt kam es auch vor, dass wir angesprochen wurden und sich Menschen mit uns fotografieren wollten.

Mit Iranerinnen vor dem Hafismausoleum in Shiraz

Mit Iranerinnen vor dem Hafismausoleum in Shiraz